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Weinwetter und Klima - 2006

Januar 2006
Der Januar 2006 war im Südwesten zu kalt, deutlich zu trocken und sehr sonnenscheinreich. Die Temperaturen waren dabei fast 2°C unter dem langjährigen Mittel, die Niederschlagsmenge lag bei nur ca. 40% (<20mm) und die Sonne schien mit über 60 Stunden fast doppelt so lang wie normal.

Februar 2006
Was unsere Temperatur betraf war es ein ganz normaler Februar. Sie schwankten von +10 bis -10°C und das Mittel entsprach dem Durchschnitt. Der Niederschlag lag mit unter 30 Litern wieder unter dem Mittel und die Sonne machte sich im Gegensatz zum Januar sehr rar. (50% vom Mittel.) Bemerkenswert sind die Schneemassen im Süden und Südosten, die viele Gebäude zum Einsturz brachten, wobei die dortigen Niederschlagsmengen trotzdem unterm langjährigen Mittel lagen.

März 2006
Der März 2006 war der kälteste März seit 10 Jahren und lag mit über 1,5°C Abweichung auch erstmalig in diesen 10 Jahren unter dem langjährigen Mittelwert. Die ca. 60 Liter Niederschlag entsprechen 170% der Norm. Bemerkenswert waren die kräftigen Schneefälle am Anfang des Monats, die uns am 03. eine Neuschneehöhe von über 20cm und ein Verkehrschaos an der Nahe bescherten. Das milde und regnerische Ende führte zu leichtem Hochwasser an der Nahe. Die 120 Sonnenscheinstunden waren im März ganz typisch für die Sonnenscheindauer.

April 2006
Im April hielt sich die Sonne an die Vorgaben des langjährigen Mittels und erreichte mit über 160 Stunden die 100%. Die Temperatur folgte dem Trend der letzten Jahre und war 1°C zu hoch. Der letzte Frosttag (Minimum unter 0°C) war der 11. April. Die Regenmenge war mit 30mm auch etwas zu gering.

Mai 2006
Der Monat Mai war etwas wärmer und deutlich feuchter als üblich. Die Temperaturen lagen etwa 1,3 Grad Celsius (°C) über dem langjährigen Durchschnitt. Die höchsten Temperaturen des Monats wurden im Westen Deutschlands in der ersten Maiwoche gemessen. (Fast 27° C an der Nahe.) In den letzten zwei Tagen wurde es wieder winterlich mit Schnee auf den Bergen. Regen fiel in den ersten beiden Wochen des Monats eher selten, die zweite Monatshälfte geriet dagegen eindeutig zu nass. Es fielen um die 70 Liter Regen pro Quadratmeter, also etwa 140 Prozent des vieljährigen Normwertes. Die Sonne lag in diesem Monat nur gering über dem Soll. Diese ausgeglichene Bilanz ergab sich aus der Zweiteilung des Mai in eine erste Hälfte mit überdurchschnittlich viel Sonne und eine zweite mit vielen Wolken und wenig Sonne.

Juni 2006
Erinnern wir uns noch an die vielen Wetterhellseher und Hundertjährige Kalender die uns im April und Mai noch einen kalten und nassen Sommer prophezeiten? Der Juni zeigte ihnen die kalte Schulter indem er nach einem kühlen Start pünktlich zur WM mit rund 20 Sommertagen (T Max=über 25°C) an der Nahe daherkam. Er war sehr warm (2°C überm Mittel), sehr trocken (20- 40% des Mittels, je nachdem, wo ein Gewitterschauer entlang zog) und verwöhnte uns mit sehr viel Sonne ( über 270 h - ca. 150% vom Mittel).

Juli 2006
Dieser war ein Jahrhundert-Juli und schlug alle Rekorde. Alle 31 Tage im Juli waren Sommertage und 20 davon sogar heiße Tage (T Max=über 30°C) mit Werten um 36°C. Das Monatsmittel lag mit 24°C fast unglaublichen 6°C extrem über dem langjährigen Mittel. Wen wundert es, dass die Sonnenscheindauer mit mehr als 300 Stunden, 100 Stunden höher als der Durchschnitt war und somit ebenfalls alle bisherigen Rekorde übertraf. Deutlich zu trocken war es an der Nahe, wobei die wenigen Niederschläge (um 20 Liter) nur als Schauer fielen.
Und das meint der Winzermeister zu diesem Rekord-Juli:
Nach einem eher kühlen Mai schritt das Wachstum im Juli bedingt durch die Wärme explosionsartig voran. Gegen Ende des Monats sah man in den Weinbergen die ersten Trockenstresssymptome. Auf trockenen Standorten begannen sich die ersten Blätter gelb zu färben. Im August kam dann endlich der lange ersehnte Regen und die Situation entspannte sich. Zur Zeit (Mitte August) haben wir noch einen Vegetationsvorsprung von ca. 8 Tagen und sehen einer guten Ernte entgegen.

August 2006
Der August 2006 war an der Nahe anhaltend kühl und präsentierte uns nur 3 Sommertage. Die knapp 1°C unter dem Mittel lagen auch am geringen Sonnenschein, der mit nur 50% der üblichen Zeit eine negative Bilanz hinterlässt. Mit 120 Liter war der August deutlich zu nass. Meist fielen die doppelt so hohen Niederschläge aus Gewittern und Schauern.

September 2006
Es war ein sehr warmer, trockener und sonniger Herbstmonat. Die Mitteltemperatur lag fast 4°C über dem Mittelwert und war sogar 1,5° wärmer als der Vormonat August, was sehr selten vorkommt. Eigentlich war der September zu trocken, bis dann am letzten Tag mehr als die Hälfte (ca. 30 Liter) des Monatsniederschlags durch starke gewittrige Regenfälle fiel. Die durchschnittliche Sonnenscheindauer lag mit 200 Stunden bei 140% des Mittels und übertraf auch hier den August.

Oktober 2006
Dieser war ein "Goldener" mit zu viel Sonne, zu viel Niederschlag und zu hohen Temperaturen.
Nur der Oktober 2001 war, seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, im Mittel höher als der 3,5° C zu warme Oktober 2006. Gegen Ende des Monats war es noch nie so warm, (22°C am 27.) was zu besonderen Bedingungen (siehe Bemerkungen des Winzers) in der Lese führte. Der Niederschlag lag bei 150% (60 Liter/m²) des langjährigen Mittelwertes, wovon 50 Liter bereits in den ersten 4 Oktobertagen fielen. Die Sonne schien überdurchschnittlich an die 130h (130% des Mittels).

Weinlesewetter September/Oktober 2006          ...aus der Sicht des Winzers.
Zum Monatsende September und in den ersten Oktobertagen fielen die größten Niederschlagsmengen. Diese bereiteten den Winzern einige Probleme! Infolge der hohen Temperaturen kam es zu Botrytisinfektionen. Wir waren gezwungen so schnell wie möglich zu ernten, um noch gesunde Trauben verarbeiten zu können - das Wort von der "Turbo-Lese" zog in Winzerkreisen seine Runde. Zu Ende der Lese entspannte sich die Situation noch einmal. Wir ernteten die Rieslingtrauben bei strahlendem Sonnenschein. Weinlese Mitte Oktober in Sommerbekleidung und kurzer Hose - das gab es noch nie. Dementsprechend hoch waren die Mostgewichte beim Riesling. Bis zu 126° Oechsle. Wir sind mit der Ernte doch noch sehr zufrieden.

November 2006
Wie in den beiden Vormonaten war es im November deutlich zu warm. Mit 3°C über dem langjährigen Mittel war es einer der wärmsten der letzten 100 Jahre. Die Niederschlagsbilanz war unterdurchschnittlich. Es fiel im Raum Bad Sobernheim gerade mal die Hälfte des Mittels von 50 Litern. Die durchschnittliche Sonnenscheindauer im November kam zu einem Plus von einem fünftel im Vergleich zum langjährigen Mittel von 50 Stunden. An der Nahe gab es den ersten Frosttag.

Dezember 2006
Laut Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes war es der drittwärmste Dezember seit 1901. An der Nahe war er knapp 3°C über dem Mittel der Jahre 1961-90, welches normalerweise 2°C beträgt. Die Niederschlagsbilanz ist leicht unterdurchschnittlich und ergab eine Menge von 35mm. (40mm Mittel) Die Sonne machte auch im Dezember Überstunden und kam zu einem Plus von 25% vom Normalwert. Der sonnigste Tag des Monats war übrigens der 24. Dezember.

Fazit: Mit einer Abweichung von 2°C über dem langjährigen Mittel war 2006 eines der wärmsten Jahre seit 1901. Besonders auffallend waren der sehr kalte August und der viel zu warme Herbst. Die Niederschlagsmenge erreichte annähernd Normalwerte und die Sonne schien 200 Stunden mehr als die üblichen 1500 Stunden.

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